Lieber R.

Dieser Brief wurde im Münchner Inquisitionsprozess als Beweismittel verlesen.

(…..) 8. 9. 2018. Stadelheim

Lieber R.

Vielen Dank für Ihren Brief vom 15. 7., der mich am 27. 7. erreicht hat. Sie
sind nicht alleine dabei an die Hexenverfolgungen zu denken. Ich habe sehr oft
daran gedacht. Ich bin dankbar dafür, daß es zu diesem Zeitpunkt keine Todesstrafe gibt, denn wir wissen beide was dann wäre.

Eines ist mir aber eingefallen, so wie es heute Mitläufer und Denunzianten
gibt, die fest daran glauben sie tun etwas Gutes, wenn sie zB. Menschen die
eigentlich die Wahrheit sprechen anzeigen, ich kann mir denken daß es damals
auch so war.

Bestimmt haben ihre eigenen Verwandten die Menschen verraten als
„Hexen“ und dachten sie täten damit Gutes. Ich glaube daß es auch damals viele
Lügen, Täuschungen, Indoktrination und Gehirnwäsche gab und daß Angst eine große
Rolle spielte. Ich weiß wahrscheinlich zu wenig über die Geschichte.

Ich glaube nicht daß die Briefe, die mir geschrieben werden mehr Schaden als
Nutzen tun. Sie (die Behörden) müssen doch allmählich kapieren, daß somehr sie
die Menschen einfach wegsperren wegen unbequemer Äußerungen oder die Fragen
stellen, umso mehr es die Leute dort draußen wach rüttelt. Irgendwann wird es
einfach zu viel. Die Systemlinge wissen einfach nicht wann zu stoppen.

Sicher, manchmal werden Briefe in beide Richtungen beschlagnahmt, kopiert, entweder
weiterbefördert oder auch nicht, als „Beweise“ gegen mich, aber ich muß sagen es
hat manchmal sehr wenig zu tun mit dem Inhalt was meine Geschichte betrifft. Die
sind ja nicht an Geschichte und Wahrheit interessiert, nur ob wir gegen irgend
ein Denkverbot Gesetz verstoßen haben. Oder den falschen Knopf im Internet
gedrückt haben oder sowas ähnliches meine ich.

Das Gesetz selber ist sowas von unbegreiflich und unklar. Muß es ja sein wenn es deren Zwecken im Lügenregime dienen soll. Das Ganze erinnert mich an Kafka (Der Prozess). Und an das Buch oder den Film 1984 von George Orwell. Als ich das Buch „1984“ in den 70´ziger Jahren gelesen hatte, hätte ich nie gedacht oder geahnt daß ich mich eines
Tages mitten in diesem Buch befinden würde.

Ich bin dankbar für die Briefmarken, die Sie mir geschickt haben. Ich möchte
niemals unbescheiden sein, aber FALLS Sie mir nochmals welche schicken wollen
dann wäre es sehr hilfreich für mich (und kostet weniger für Sie) wenn
Sie mir 20c Marken schicken würden, also zB. 10×20 weil ich sehr viele Briefe ins
Ausland schreibe. Ich habe sehr viele 70c Marken aber ich könnte sie für 90c ins
Ausland senden.

Aber erst mal geht der Prozess weiter und vielleicht komme ich bald hier
raus. Dann wäre das alles gar nicht nötig. Im Moment habe ich einen guten Vorrat.

Herzliche Grüße

Monika

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

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