Ein Brief aus der Gefangenschaft – heute ist Monika frei

Brief No. 7 von Monika Schaefer

Monika Schaefer (zu der Zeit noch im Gefaengnis – heute aber frei)

12. Oktober 2018 – dieser Brief kam am 6. November 2018 an.

Liebe, liebe Theresa,

Du kannst Dir kaum vorstellen wie sehr ich mich über deinen lieben Brief den ich gestern Nachmittag erhalten habe gefreut habe! Also zögere ich keinen weiteren Moment Dir zurückzuschreiben.

Erstmals möchte ich Dich vergewissern dass es beiden von uns – Alfred und mir – sehr gut geht. Wir sind immer die fröhlichsten im Gerichtssaal, und den “Anderen” wird immer unbequemer zu Mute.

Unsere Fröhlichkeit kommt natürlich daher weil wir einfach wissen dass Wahrheit und Recht – echtes Recht – auf unserer Seite sind.

Aber keine Angst, Theresa, wir machen uns keine Illusionen vom Ergebnis – ich mein jetzt persönliches Ergebnis [dem Urteil]. Aber weist Du, irgendwann wird sich bei denen das Gewissen doch einschalten, oder?

Na ja, Du erwähntest Sowjetunion und Todesstrafe [für politische und historische Meinungen] und solche Sachen. Ja ich bin sehr dankbar dass es jetzt hier keine Todesstrafe gibt. Das wurde sogar vorgelesen in einem Brief den ich an jemanden hier in Deutschland geschrieben hatte – der einzige von den angehaltenen Briefen von mir den sie im Gerichtssaal vorgelesen haben. Vielleicht bekommst Du den Brief im Internet zu lesen, denn ich habe ihn schon ein paar mal per Hand kopiert und rausgeschickt in der Hoffnung dass er auch ankommt und veröffentlicht werden kann. Na ja, veröffentlicht wurde er schon – im Gerichtssaal. Aber das Publikum darf ja nicht mitschreiben, und außerdem wird nichts auf Tonband aufgenommen. Aber schriftliches geht zu den Akten.

Wie ist das denn in den USA? Ich war erstaunt!!! am ersten Gerichtstag hier wenn ich erfuhr dass nichts aufgenommen wird. Wie bitte? Was?! In Kanada wird alles schriftlich UND per Audio aufgenommen. Dann kann man Transkripte erhalten. Hier nichts. [Ja ich weiß von einem Fall in den USA wo nichts im Gericht schriftlich aufgenommen wurde in einer ziemlich schlimmen Anklage.] Und dann noch dazu die Geschichte am ersten Tag wo niemand richtig hören konnte (besonders das Publikum). Ich stand da einfach auf und sagte ganz laut: “Entweder dies ist ein öffentlicher Gerichtsaal oder es ist NICHT ein öffentlicher Gerichtsaal…” und argumentierte weiter dass wenn die Menschen nichts hören können und dem Richter macht das nichts aus, dann sind die Menschen nur für “Show” da und da hätte Alfred ja eigentlich Recht mit seinen Bemerkungen was den Richter so geärgert hat… z.B. Moppet Show und Inquisition… Einige Zeit dauerte es noch und endlich wurde das Mikrofonsystem angeschalten. Es war ja alles vorhanden, aber der Richte lehnte es zuerst einfach ab und wollte es nicht zulassen dass wir es benutzen dürfen. Was für eine Logik steckte wohl dahinter? War das Faulheit oder Eile oder wollte er wirklich dass die Leute nichts hören??? Ich weiß es nicht.

Ich wusste dass Arthur [Topham] verhaftet worden ist, aber ich sehne mich nach mehr Information. Wo ist er? Kann man ihm schreiben? Was, wann, wie…??? Ich höre einfach nichts weiteres und würde so gerne ihm schreiben können und ihm “moral support” [moralische Unterstützung] geben.

Danke für die Weimarer Geschichte die Du mir erzaelt hast. Gerade wenn die Menschen so richtig runtergebracht sind, wie nach dem katastrophalen Krieg, das ist die Zeit wenn die Mächte mit der psychologischen Kriegsführung richtig eingreifen. Interessant was Du sagst über die Millionen [Deutsche] die zum Kommunismus überzeugt worden sind [gleich] nach dem Ersten Weltkrieg. Und nach dem Zweiten Weltkrieg war es nochmal eine riesige “Umerziehung.”

Die “Protokollen der Weisen…” sagen, “sie werden Agenten ihrer eigenen Vernichtung werden.” So machen sie es. Dann stehen sie [die „Weisen“] an der Seite und reiben sich “gleefully” [vergnügt] die Hände und kassieren ein.

Auf ein fröhlicheres Thema zurück… Wir sind gar nicht traurig dass es weiter geht beim Prozess. Du hast es völlig richtig erahnt “…vielleicht ist das gut so damit das Gericht genug zu hören bekommt…” Genau. Keiner von denen kann hinterher behaupten “Wir haben es nicht gewusst” was so in der Welt läuft. Alfred macht einen tollen Job alle aufzuklären, und ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen.

Ich bin sehr froh zu hören dass Du daran arbeitest, Dich selber wieder aufzubauen: Spaziergänge und Zeit im “gym” (Körper trainieren). [Bis was wie der Blitz dazwischen schlug!] Das ist, wie Du natürlich selber weist – super, super wichtig! Körperlich, seelisch, geistig – das ist alles tief verbunden. Also ich kann Dich natürlich nur ermutigen und ich tue das aus tiefstem Herzen, denn ich wünsche Dir das Beste! Weiter machen – bewegen, bewegen, bewegen! Ich habe Freunde die sagen immer “Motion is Lotion” [Bewegung ist Ölung]. Das trifft zu, vor allen Dingen wenn man älter wird, nicht war?

Ich wollte nur noch sagen, dass Alfred jetzt einen Job hat da drüben im Stadelheim – arbeitet in der Wäscherei. Er ist froh zu arbeiten, aber es bedeutet wahrscheinlich auch dass er weniger Zeit haben wird Briefe zu schreiben. Er wird sich aber natürlich freuen Post zu bekommen.

Bitte fühle Dich frei, geeignete Teile meines Briefes weiter zu leiten wenn Du willst.

So, jetzt kommt bald unser täglicher Hofgang. Ich spaziere heute im Geist mit Dir durch einen wunderschönen Wald, wo man durch knisterndes Laub mit den Füßen fegt. Ich freue mich schon.

Herzlichst,

Deine Monika

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

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