Letter from Alfred to Monika — Crossing the Atlantic

from: freespeechmonika.wordpress.com

Dear Readers,

The letter posted here is in German, the language Alfred used in most of his early letters to me from his prison cell to my prison cell. We shared a similar address for nearly four months, the duration of our “speech-crime” trial. In this letter he describes one of his epic sailing trips, the first Atlantic crossing that he made on the Mistral sailboat.~~~~ Monika.

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[NOTE: There is an English translation below]

4.Sept.18
Brief #6

Dear Möne,

nun gehe ich ins Deutsche über, damit unsere Mit-Leser sich nicht unnötig schwer tun. Wir müssen Rücksicht auf die Mit-Leser nehmen um ihre lädierten Nerven zu schonen.

Hoffentlich nerve ich dich nicht, Monika mit schon wieder einem Brief, ich hatte dir heute schon Brief #5 geschickt und jetzt höre ich Bayerische Volksmusik in meinem Zimmer mit dem herrlichen Gitterblick und habe darüber gegrübelt, daß gewisse Zusammenhänge womöglich fehlen, in gewissen Ereignissen, die ich in Brief #5 beschrieben habe, also werde ich hier nachbessern um mögliche Lücken zu füllen und es zu vervollständigen.

Also, die Lücke die zu füllen ist: Was hat eine Atlantic-Überquerung zu tun mit einem Aufenthalt im Hotel Gitterblick? Das eine ist doch ein Traum und das andere ist doch ein Alpdruck oder Alptraum.

Antwort: Nein, eben nicht. Beide sind beides, es kommt nur darauf an ob man es überlebt und was man daraus macht.

Was ist besser?

1) Mit einem alten 2-Master Holz-Segelboot über den Atlantic segeln, was noch keiner der Mitsegler schon gemacht hat, und überall kommen die Stürme – tue es nicht, diese Leute sind lebensmüde, verrückt und das Schiff ist gar nicht dafür geeignet. Das Ding geht unter.

2) Einen Aufenthalt mit Mördern und Dieben und Kinderschändern (die sind getrennt, für ihre eigene Sicherheit) in einem großen Hotel auf einer Insel von wo es kein Entkommen gibt?

Wie ich vorher sagte, beide können so oder so sein. Es kommt darauf an was man draus macht.

O.K. das war die Einleitung, nun werde ich zu dieser ersten Atlantic-Überquerung gehen.

– Monika – jetzt habe ich Knastdemenz – ich weiß nicht ob ich schon von IBM weg war oder ob das in meiner Urlaubszeit war, mit der Überquerung, denn ich kam ja in die Segel-Geschichte rein in der IBM Zeit und hatte meine 6 Wochen Urlaub immer mit der „Mistral“ abgestimmt. Nachdem ich von IBM weg war hatte ich sehr viel Zeit auf der Mistral verbracht. Da hatten die vielen Segler, die mich kennen lernten gesagt, daß ich ein Teil des Inventars von der Mistral war. Der Schiffseigner, der nun verstorben ist, und bei dessen Beerdigung ich auf Grund von „Termin Verpflichtungen“ im Hotel Gitterblick nicht mit anwesend sein konnte, der hatte sich so sehr auf meine Anwesenheit auf der Mistral eingestellt, daß er immer meinen Namen als ersten eingesetzt hatte. So kam es dazu, daß ich letztendlich 7 mal über den Atlantic segelte und habe Himmel und Hölle auf dem Schiff erlebt. Aber man kann den Himmel nur als solchen empfinden, wenn man auch die Hölle kennt.

So nun zur ersten Überquerung. Dieses Schiff war ja immer irgendwo an der Osküste von Canada oder USA, nachdem es durch den Panama-Kanal von California überführt wurde, wo der neue Besitzer es gekauft hatte. Die erste Erfahrung mit der Mistral hatte ich ausschließlich in Canada und USA. Im November 2001 flog ich deswegen einmal nach North Carolina, und die neuen „Sicherheits“ Maßnahmen nach dem „(…) False Flag“ Angriff gegen die USA sind für sich eine ganze Geschichte, aber dafür fehlt jetzt die Zeit. Das erlebt zu haben und im richtigen Kontext verstanden ist sehr wertvoll. Ein Schalter wurde mit 9-11 umgelegt und die „neuen Sicherheits“-Maßnahmen waren das sichtbare Ergebnis.

Oh Gott, sorry, jetzt bin ich wieder zu weit abgeschweift von der ersten Atlantic-Überquerung.

 

 

O.K. mit der Mistral haben viele Amateure und Profi-Segler ihre Erfahrungen gemacht und einige hatten eine Todesangst aufgrund ihrer Erfahrungen, denn das Schiff war mit Rott durchsetzt und erlitt einen Mastbruch und starken Wassereinbruch vor der Küste von Florida, in dem hohen Wellengang, nachdem ein Orkan in der Gegend die See in den Zustand versetzt hatte.

Danach hatte Schiffseigner ein Vermögen in die Restaurierung investiert, denn dieses Schiff ist ein Herreshoff Schooner in 1938 erbaut und ein Kulturgut, Amerikanisches Kulturgut. Es war immer das hübscheste Schiff in allen Häfen die wir besuchten.

Nun wollte er das Schiff irgendwann nach Deutschland segeln, aber Angst war da ein Problem. Dann kündigte sich eine Regatta an, davon versprach er sich etwas Sicherheit. Ja mit so eine Flotte zusammen, No Problem, dachte er sich.

Das war die „Daimler-Chrysler-North Atlantic Challenge“.

Es war alles so furchtbar aufregend, das Sicherheits Training und die Vorbereitung, und dann waren wir noch überladen, nur 8 Kojen aber ich glaube wir waren 10 oder 11 Mann, also „Hot bunking“ Kojen teilen war angesagt. Man dreht das Kopfkissen um wenn dein Bett-Teiler Wache hat.

Im Hotel Gitterblick haben wir unsere EIGENEN Betten. Ja Monika, viel viel besser als auf der Mistral.

Meine Koje teilte ich mit Heinz, der hatte mich in die Sache rein gebracht. Unsere Koje war ganz vorne im Schiff, da war die Wellen-Bewegung am extremsten und wurde von empfindlichen Seglern gemieden. Heinz wurde nie seekrank und ich hatte nur die ersten 24 Stunden Probleme.

Dann kam der große Start in Newport in der Nähe von New York. Die Route verlief um einen „Point Alpha“ wegen angeblicher Eis-Gefahr vom Labrador Current und dann über UK und dann runter die Nordsee nach Hamburg – oder, ich weiß es gar nicht mehr weil wir da nie ankamen.

Schon am Start hatten wir einen Vorfall, da dachte ich nur,

Ach du (f… ), es ist vorbei, und wir sind noch nicht einmal über die Startlinie.

Der Skipper wollte immer die perfekte Positionierung haben am Start, und noch vor dem Start-Kanonen-Schuß beim Ansegel-Maneuvrieren (Manouvers) haben wir FAST einem anderen Teilnehmer mit unserem Bugsprit die Wanten mitgenommen. Ich war auf dem Vorschiff und habe mir fast in die Hose gemacht mit Herzversagen. Da war rein gar nichts was ich hätte machen können, und die ganze Reise wäre zu Ende, schon vor dem Startschuß. Es ging eben gut. Gott sei DANK!

So, dann ging es raus zuerst waren wir ein Pulk Schiffe, aber im Laufe des ersten Tages reduzierte sich die Zahl der Masten die zu sehen war auf etwa 2 andere Schiffe. Die Seekrankheit ließ mich ein paar mal kotzen, ansonsten begann endlich die Überquerung.

Am Tag 2 war kein anderes Schiff mehr zu sehen. Wir hatten Transponders für das Tracking damit die Regatta im Internet auch verfolgt werden konnte.

Noch vor Point Alpha, etwa 4 Tage raus, da hatten wir nicht Sturm aber starken Wind und dann, in der Dunkelheit der Nacht, über unser UKW-Radio konnten wir die Kommunikation einer Notoperation hören, aber nur die Coast Guard-Hälfte. Einer unserer Konkurrenten, auch ein altes Holzschiff war am Absaufen. Die Ursache war nicht klar. Planken-Sprung oder Container-Kollision. Auf jeden Fall keine Hoffnung, alle Mann von Bord, Rettungs-Insel und weil wir noch eine Schiffs „Traffic Lane“ unweit hatten, konnten Alle gerettet werden, nachdem ein Frachter die angegebene Position ansteuerte. Das SOS vom Segelboot konnten wir nicht empfangen, aber von der Coast Guard war es „loud and clear“. Nach vielleicht 6 Stunden oder so war der Spuk vorbei. Schiff gesunken, alle Mann gerettet auf Frachter. Es hinterließ ein Kribbeln in unseren Mägen. So froh, dass es nicht uns getroffen hatte. Schade um das wunderschöne Schiff, aber keine Toten, wenigstens das.

Es wurde immer einsamer auf den Weiten des Atlantics, Point Alpha errreicht und dann den nord-östlichen Kurs eingeschlagen. Nach etwa 10 oder 12 Tagen hatten wir einen Punkt erreicht wo einer unserer Navigatoren sagte, von hier ist es genauso weit nach New York oder Grönland oder Irland. Es war dann in der folgenden Nacht, ich lag in meiner Koje, da kam der Skipper durch das Schiff mit der Meldung „Ruderbruch“. Die Verbindung vom Steuerrad zum Ruder existierte nicht mehr. Wir hatten hohen Wellengang und ordentlich Wind, was war bloß passiert?

Diese Phase dieser Reise war sehr lehrreich und daraus ist viel abzuleiten für unsere jetzige Situation, Monika.

Meine Frau hatte sich damals gewundert, warum sich unser „Tracker“ plötzlich in eine andere Richtung bewegte als all die anderen Schiffe. Nach 3 Tagen hatten wir unsere Situation stabilisiert und in etwa 2 weiteren Wochen die Küste Irlands erreicht.

Ich dachte damals, daß wenn das Schiff in Deutschland ist, dann bin ich nie wieder auf dem Schiff weil der Besitzer da so viele Freunde hat, die dann mit ihm segeln gehen. Aber ich war dann doch immer wieder dabei und 6 weitere Male über den Atlantic, Karibik, Nord-Atlantic. Und Ostsee und Nordsee.

Monika, die Mistral war Teil von meinem Leben geworden und diese Segel-Erfahrungen haben mir immer wieder die Grundlage gegeben für meine spätere Video-Arbeit. Ich kann sogar behaupten, ohne diese Segel-Erfahrung wären ich (und Du) nicht im Hotel Gitterblick. Aber wir müssen hier sein. So wie ich diesen Ruderbruch im Atlantic irgendwie erleben musste, um zu sehen wie ich damit fertig werde.

Bei dem Ruderbruch, da gab es 3 verschiedene Charakter-Eigenschaften, die sich aus der Belegschaft kristallisierten.

Einige, die vorher eine riesen Klappe hatten wurden sehr leise und voller Angst und wenn ihre Klappe aufging, war es um Forderungen zu stellen.

Eine weitere Gruppe war grundsätzlich nutzlos, aber sie verhielt sich ruhig und hatte keinen negativen Einfluss auf das Geschehen gehabt.

Ein paar von uns kümmerten sich um das, was wir tun mußten um Irland aus eigener Kraft zu erreichen. Wir hatten 2 bezahlte Profis an Bord, ich war der zuverlässige „gofer“ und wurde immer von den Profis verlangt um zu zupacken. (…)

Vor einigen Jahren hatte der Flensburger Segel-Verein unserem Skipper eine Silberschale als Anerkennung für alles, was er für den Verein gemacht hatte gegeben, und diese Schale hatte er dann mir geschenkt, weil er sagte dass er das alles nicht hätte machen konnen ohne mein Einwirken auf die diversen Crews und mein Zulangen auf dem Vorschiff und in schwierigen Lagen.

Und nun haben wir wieder Ruderbruch, und nun sind wir wieder einmal gefragt. Aber dieses Mal ist es viel leichter, und wir haben sogar eine eigene Koje.

Auf der Mistral teilten Heinz und ich die Koje, und nach dem Ruderbruch brauchten wir nur 3 Leute an Bord aufgrund unserer Vorrichtung, das heißt wir mussten zur gleichen Zeit in die gleiche Koje. Es war der Nord-Atlantic, kalt und stürmisch. Mit viel warmen, nassen und feuchten Sachen an, der Eine mit dem Kopf in eine Richtung , der andere in die andere Richtung (….)

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Ich könnte schreiben und schreiben und schreiben, aber wir wollen unseren Staatsanwalt nicht überfordern.

Viele herzliche Grüße
Dein Alfred

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

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